Die vermeintliche blaue Besinnung

Während wir es mit einer globalen Pandemie zu tun haben, dreht sich die Abwärtsspirale der FPÖ ungebremst weiter. Das „Establishment“ handelt DerZeit wenig falsch,Migranten und Asyl stehen nicht auf der (medialen) Tagesordnung und sachliche Experten sind DerZeit gefragter als blaffend blaue Politik – und trotzdem: die inhaltslose Kritik der Blauen geht ungebremst weiter.

Die FPÖ hält sich mit Angriffen auf das Handeln der Regierung nicht zurück. In so außergewöhnlichen Zeiten könnte der tägliche politische Zwist, vor allem blaue inhaltslose Gesinnungs-Kritik, zum Wohle der Allgemeinheit zurückgestellt werden. Statt Stimmungsmache kommt es jetzt darauf an, Sicherheit und Ruhe zu vermitteln – Partei-Solidarität leben. E contrario bei der FPÖ. Sie sucht vehement, gar verzweifelt nach möglichen Angriffsflächen – die es zurzeit, abseits der Vorkommnisse in Tirol, kaum gibt. Die Regierung handelte weder nachlässig noch ratlos. Die Legitimität des Handelns der Regierung wurde keinesfalls beschädigt, wodurch sich ein mögliches „window-of-opportunity“ in Form möglicher Angriffsfläche ergab – im Gegenteil. Transparentes, effizientes Handeln mit wissenschaftlicher Expertise legt die Türkis-Grüne Regierung rund um Sebastian Kurz und Rudolf Anschober an den Tag. Dies wird nicht zuletzt durch die sinkenden Infektionszahlen pro Tag in den vergangenen Tagen und äußerst positiver Berichterstattung über das Handeln der Regierung in der Corona-Krise bestätigt.

Zynisch könnte man meinen, die Berufung der FPÖ zum Agieren gegen „Feinde“ (dt. für Flüchtlinge) wäre nun mit geschlossenen Grenzen abgeschafft und vorbei. Die Realität holt allen träumenden Illustratoren auf den Boden der Realität zurück, denn die Illusion der als quasi natürlich vorgegebenen Grenzen zwischen „uns“ und „den anderen“ zurzeit aufrechtzuerhalten, erscheint schwierig. Gar schwieriger denn je. Denn das Virus kann faktisch nicht personifiziert werden, kann aber auf jeden von uns übergehen. Das Instrumentarium der FPÖ ist nicht für einen Gegner wie Covid-19 geeignet. Das lässt sich auch auf den Social-Media Kanälen der Freiheitlichen Partei erkennen.

Quelle: Norbert Hofer (Facebook)

Lautstärke statt Lösungen – so lautet die Devise, scrollt man durch Alphamännchen-Hofers Facebookseite. Paradox, ist es auf der Facebookseite des ehemaligen Präsidentschaftskandidaten geschätzt so ruhig wie zurzeit in der Getreidegasse am Samstagvormittag. Ganz ruhig (hier), Brauner! Die Seite gleicht einer unfreiwilligen Interaktions-Quarantäne der User zu Lasten Hofers. Ohne lange und intensiv detektieren zu müssen: Norbert Hofers Facebook-Beiträge werden – im Vergleich zu jenen früherer Tage – weitestgehend ignoriert. Anschuldigungen der Regierung gegenüber werden mit negativen Kommentaren „abgestraft“. Unter dem aktuellsten Posting (Montag, 30. März, 16:00 Uhr) finden sich zahlreiche, negative Kommentare von (möglicherweise ehemaligen) Anhängern zum medialen Auftritt Hofers gegenüber der Regierung. Man solle zusammenhalten und denen, die in der Krise zur Zeit alles geben, nicht in den Rücken fallen. Ein anderer User meint, dass das Posting „ein klassischer Schuss ins Knie war“. Es scheint, als würden sich bis auf den zusammengeschrumpften letzten harten blauen Kern die Unterstützer für etwas ganz anders interessieren: gesundheitliche Sicherheit.

Quelle: Norbert Hofer (Facebook)

Die Aktien nach Verlangen der Gesundheit steigen, während die der FPÖ-Sympathisanten abstürzen. Viele Menschen in der aktuellen Krise verlangen nach sachlichen Informationen und gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnissen statt schlechter, panischer wie populistischer Stimmungsmache und absurd hergeleiteten Fakten mit eventuell gar rassistischem Unterton von ideologisierten Social-Media-Bloggern. Die Auskunft der notwendigerweise in Trend gekommenen Virologen ist gefragt. Niemand wird blauen Gesinnungsfreunden eher vertrauen als erfahrenen Ärzten und Experten. Es scheint, als wäre der populistische Moment bei einer Gesundheitskrise fehl am Platz, gar unangebracht. Optimismus wird gewittert: eine Renaissance der rational Denkenden – eine frische Frühlings-Besinnung vieler (ex-)Blauer.

© Felix Haidenberger