Die Der Zeit-Playlist – November zweitausendfuckingneunzehn

Musik ist wie Sex für hässliche und weil ihr’s mal wieder dirty wolltet, kriegt ihr jetzt auch wiedermal dirty! Also: Die neuen AirPods Pro noch irgendwie ins Jack Wolfskin-Tchibo Zwiebelschalensystem reinlayern und ab dafür, mit der Kuscheldecke für eure Ohrmuscheln, der Der Zeit-Playlist November!

01. Winter (Khalid)

© 2017 RCA Records

Tja, es ist November und wer jetzt nicht in jedem Tagesgespräch zumindest beiläufig erwähnt, dass es eine Arscheskälte hat, dessen Social Skills sind sowieso endgültig am Rande der Gesellschaft angelangt. Khalid bringt diese Novemberlethargie so wunderbar soulig auf den Punkt, dass „Winter“, auch wenn es ein bisschen nach kratzig von Robert Kratky anmoderiert im Ö3 Wecker klingt, DIE Hymne für den grauen, die Stadt bedeckenden Novemberschleier ist. Wäre eine Jack Wolfskin-Übergangsjacke ein Song, sie wäre dieser!

02. Berlin, dein Gesicht hat Sommersprossen (Hildegard Knef)

© 2009 Warner Music Group Germany

Ella Fitzgerald hat Hildegard Knef mal als „die beste Sängerin ohne Stimme“ bezeichnet. Und tatsächlich ist diese beißend-lakonische und ironische Laudatio auf das Berlin der Sechziger ein absoluter Pionier für die heutigen Minimalism-Instagram-Faschos. So beiläufig und so Grand Dame. Und ja, auch noch Berlin. Da strullert sich der unterfickte Skinny-Jean Hipster im Starbucks Kreuzberg dann wohl auch völlig ein vor Freude.

03. Freaking Out the Neighbourhood (Mac DeMarco)

© 2012 Captured Tracks

Wenn es jemanden gibt, der ungeschnittene Fingernägel, angefleckte Cargoshorts und heruntergerockte Holzfällerhemden gesellschaftstauglich machen könnte, dann wäre es die Madonna des Bedroom Indie himself, Mac DeMarco. Die Platte „2“ ist dabei eine Persiflage auf die Schnoddrigkeit mit einer tieferen, nur ganz bescheiden unter der Oberfläche versteckten Ernsthaftigkeit dahinter. Das, gepaart mit diesem wahnwitzig genialen Gitarrenriff von „Freaking Out the Neighbourhood“, ist eine heftige Rückblendenschelle an eine Vornovemberzeit, ohne grau und klirrend kalt, an einen Tag am See mit Dosenbier und nicht ganz durchgebratener Bratwurst. Herrlich!

04. Heaven (The Blaze)

© Animal 63

Das französische Musikduo, bestehend aus Guillaume und Jonathan Alric wildert in seiner Singleauskopplung des Albums „Dancehall“ unkontrolliert aber doch harmonisch in einem Wirrwarr aus Dub, House, Indie und Pop umher. Ein melodischer Unterbau, der schon fast virtuos rüberkommt. So schleierhaft, dass man sich auch nicht wundert, wenn plötzlich eine Nebelschwade aus dem Air Pod Ladecase aufsteigen würde, während man „Heaven“ auflegt.

05. Think Before I Talk (Astrid S)

© 2017 Universal Music

Popmusik ist für den Möchtegern Musikkenner in etwa so, als würde man zwei Tortenstücke im Zellufan-Pappe Verpackungsmissverständnis nach Hause transportieren: Kommt nicht gut an. In „Think Before I Talk“ schafft es die Norwegerin, wie könnte es auch anders sein, einen genügend gut portionierten Schwung an Alternative mit in den Mix zu werfen. Wohlfühlmusik, Herbstausklangmusik, man tut sich scheinbar was Gutes, wenn man Astrid S hört und das mag auch nur Schein sein, aber mittlerweile ist uns das auch schon alles ziemlich egal.

06. Karma Police (Radiohead)

© 1997 XL Recordings Ltd.

Spotlight mit „Creep“, Stardom mit „High and Dry” und dann schließlich einflussreichste Rockband aller Zeiten mit dem Album „Ok Computer“ – Radiohead war 1997 dann `mal Kult. Eine Albumvorlage als fast düsterer Ausblick ins Technologiezeitalter, von solch wunderbar zerreißender Melancholie, Angst und Paranoia geprägt, dass es zur damaligen Brit Pop Ära fast so wirkt, als wäre „Ok Computer“ von einem völlig anderen Planeten abgesoffen und schlussendlich auch noch so monumental ausdifferenziert, dass es die Rockmusik so prägte wie später nur die Strokes mit „Is This It“ und Arcade Fire‘s „Funeral“. Karma Police als Titeltrack der Platte ist dann auch genug schmackhaft gemacht, oder?

07. Tired Asphalt (Mozes and the Firstborn)

© 2017 Mozes and the Firstborn

Eigentlich ein Wunder, dass es der nicht in die Roadtrip-Playlist gepackt hat. Wieder, wenig überraschend, auch eines dieser Soundgerüste, das an Highwayfahrt durch eine leicht rassistisch geprägte Südkleinstadt in den Staaten erinnert. Reifenpanne bei 40 Grad, aber eh alles scheißegal, weil da noch irgendwo irgendwer eine 6er-Tanke Bier und halbsynthetische Essensversuche verkauft und uns dann auch noch Melle Dielesen zu den Klängen dieser wunderbaren Weezer-Nirvana Symbiose mitteilt: „Tired Asphalt’s All I Know!“

08. Bimmer Ella Benza (Volkan)

© 2016 Sony Music Entertainment Denmark

Schallplatte in „Guld“ in Dänemark und ein Sound, der an GZUZ als Metropolit und Mister Worldwide erinnert. Wir verstehen kein Wort weil’s Dänischer Rap ist, aber „Bimmer Ella Benza“ ist synapsentechnisch so mitreißend, dass es an irgendetwas zwischen Fußballkabine und Shishabar erinnert, Gott habe Letztere selig. Amen.

© Patrick Lientschnig