Die Der Zeit Roadtrip-Playlist – Oktober zweitausendfuckingneunzehn

Na alter Kuschelrockhase, heute schon Kid Rock im Walkman gehabt? Falls das der Fall sein sollte, dann ist echt höchste Zeit für eine musikalische Zwangstherapie. Die Der Zeit – Playlist, mit dem besten musikalischen Gedöns des Oktobers, in der Road Trip Special Edition, warum Special jetzt? Wissen wir auch nicht so genau.

01. Making Breakfast (Twin Peaks)

© 2014 Communion Records

Und irgendwo über San Diego geht die Sonne unter, wenn man „Wild Onion“ von Twin Peaks durch die Boxen ballert. Platte für Platte liefern die Jungs von Twin Peaks eine längst vergessene Referenz an Weezers „Blue Album“ ab. Eine Darbietung von Westküsten Garage Rock die, auch wenn die Band aus dem tiefsten Chicago kommt,  herrlich nach Gucci Beach Werbeplakat überm Chateu Marmont klingt und nach mit Dosenbier die Nacht vergessen machen duftet.

02. Red Eyes (The War On Drugs)

© 2014 Secretly Canadian

Fünf Minuten geballte Roadtrip Feelings, verpackt in einem stoisch melancholischen Soundgerüst, das irgendetwas von  Bruce Springsteen auf einer Überdosis Ritalin hat. Den Fiat Punto anzünden, Autobahnraste A10 und dabei mit diesem Song auf den Ohren durch die Nacht brettern – das, was die Bifie Roll für den Roadtrip-Hunger ist, ist „Red Eyes“ für die Roadtrip-Playlist – einfach unverzichtbar!

03. imreallytiredthisdaysucks (Boy Pablo)

© 2017 777 Records

Die Generation Musical Ly hat, sozusagen als einzige Errungenschaft seiner Niedertracht, ein neues Musikgenre geschaffen: „Bedroom Pop“ nennt es sich etwas aufs eigene Spiegelbild masturbierend. Und auch wenn das jetzt ein bisschen nach Fuckboy klingt, hat es so einen Feel von Feierabend an sich. Boy Pablo vereinen dabei die unverkennbar simplen aber genialen Gitarrenriffs von Mac DeMarco mit dem beabsichtigt vernachlässigten Songwriting von Rex Orange County. Ein genialer Musikminimalismus aus Norwegen!

04. Shake It Out (Florence + The Machine)

© 2011 Universal Island Records

Ja Freunde, eine gute alte How I Met Your Mother Ballade muss es auch für den Roadie tun, und sie tut das gut! Mit der Stimmgewalt von Florence Welsh könnte man ja bekanntlich ein Windkraftwerk bekurbeln, wenn sie dann aber noch über einem bombastischen Beat ihren gewohnten Herzschmerz-Epilog hält, dann schießt die Drehzahl auf der Autobahn simultan zum heimeligen Gejaule in den roten Bereich. Das muss dann wohl ein Musterexempel für MTV Unplugged sein.

05. Sun (Two Door Cinema Club)

© 2012 Kitsun France

Die Kehrseite des Indierocks von Twin Peaks – etwas mehr herausgeputzt und nach Glastonbury Festival klingend. Hi – Hat Disco Beats, umrundet von springenden Gitarrenriffs und nerdy Brit-Rock Attitüde. Auch wenn der „Late-Noughties British Indie“ die Charts schon so lange nicht mehr gesehen hat wie Boris Becker ein Plus am Kontostand, findet’s der Guardian noch immer „bananas“.

06. The Goonies `r` Good Enough (Cindy Lauper)

© 1985 Sony Music Entertainment

Ein Skatevideo, Toy Machine oder irgendsoetwas, und eine zerzauste Vans-Gang, die in viel zu kurzen Cargopants von Dickies über den Beton irgendeiner US Einödenstadt wildert – genau da läuft Cindy Lauper`s „The Goonies `r` Good Enough“ im Hintergrund über das gewollt nach Retro schreiende VHS Videoband. Nächstes Dosenbier und Flugsteig A25, einmal California bitte!

07. Poem (U.S. Girls)

© 2018 4AD Ltd

Psychedelic Lo-Fi Experimental Art Pop, ein Genre, das beim bloßen drüberlesen schon einen leichten Schlaganfall verursacht. Meghan Remy hat sich in ihrer frischesten Platte „In a Poem Unlimited“ vergangenes Jahr wieder zur Gänze durch jegliche Musikgenres gewildert. Ein Hauch von Blues Rock, der sich nahtlos in ein Synthesizer Gerüst einmischt und auch wenn die Stimme der Kanadierin etwas nach Roboter und die Mischung allgemein nach Kokain Überdosis im Berghain klingt, ist „Poem“ Autofahrmusik wie aus dem Lehrbuch für „Spatenhipstertum“.

08. I Heard You Got Too Lit Last Night (SAINt JHN)

© 2018 Godd Complexx/HITCO

SAINt JHN hat auf  seinem Debütalbum „Collection One” mit  „I Heard You Got Too Lit Last Night“ die Hymne für feuchtfröhliche Collegepartys kreiert. Upbeat R&B mit „trappy“ Elementen machen diesen Song zu einem ganz heftigen Ohrwurm! Ein hashtagfreundlicher Turn Up Slogan für die Geschichtsbücher – und für den Eristoff Ice Flaschenboden …

 09. Someone Great (LCD Soundsystem)

© 2007 DFA Records Ltd

Rund sechs Minuten Spielzeit – das ist für James Murphy, alias LCD Soundsystem, schon fast ein kurzer Snippet, eine Radiosingle Auskopplung. Das Tonstudio für die Produktion von „Sound of Silver“ extra mit Alufolie ausgehängt, war das dann wohl der legendäre Aufstieg auf den Producerolymp für Murphy. Ein bisschen New York, ein bisschen Rock und Dance und ein bisschen „Someone Great – Geschnulze“ – ein heftiges Ding!

© Patrick Lientschnig