Die Der Zeit Playlist – September zweitausendfuckingneunzehn

Stundenlang The Killers hören is‘ auch ganz gut, aber hier gibt’s die Hot-Stone Massage für eure Ohren: Die Der Zeit – Playlist des Monats September, nach stundenlangem Wildern und Stöbern in der Spotify Bibliothek. Unser textliches Kulturkaufhaus und ein verbindliches Angebot für eure Ohrmuschel! Jö Karte? Tüte dazu?

01. My Love Is For Real (Wolfram feat. Haddaway)

© 2019 Public Possession / Live From Earth

Wolfram ist aus Wien, trägt ab und an Formel 1 – ähnliche Anzüge mit Marlboro Aufdruck drauf und produziert genau so teuflisch lässig, wie ihm die Locken ins Gesicht wabern. Eine Pop-Disco Hommage auf höchstem Level, in dem er auf Haddaways Vocals aus den Neunzigern zurückgreift. Seine Tracks auf der Platte „Amadeus“ beschreibt er selbst übrigens als „Leichtsinnig“. Eine Dance-Produktion, der die Ästhetik gerade so aus allen Poren quillt.

02. Ich bin der Fahrer, der die Frauen nach HipHop Videodrehs nach Hause fährt (Thees Uhlmann)

© Grand Hotel van Cleef

Auch wenn der Titel länger als ein durchschnittlicher Unterstufenessay ist und der Song etwas nach Schweinerock a la Bon Jovi klingt, schafft Thees Uhlmann mit seinem neuen Album und vor allem mit dieser Chanson eine Hommage an die Hamburger Schule, ja fast tocotronicesk. Die Bitches glaubten nie an ihn, DJ Abrissbirne würde er sich nennen und der Regisseur wirkt aufgeschmissen und auf Kokain. Textlich könnte man das hier problemlos auch als Stuckrad-Barre Reportage illustrieren.

03. Walcott (Vampire Weekend)

© 2008 Vampire Weekend Inc. / XL Recordings

Eigentlich sei die Frage erlaubt, wie man bisher leben konnte, ohne die „Vampire Weekend“ Platte von Vampire Weekend jemals gehört zu haben. Eine Rockvorstellung, die auch etwas nach Pop und Afrikanischen Einflüssen klingt und der der snobistische Columbia Universitätscharakter von den Jungs um Ezra Koenig kaum abzusprechen scheint. Trotzdem unfassbar gut, sagen auch Pitchfork und der Rolling Stone! „Walcott“ verführt hier fast zur Verwendung der abgedroschensten Phrasen, die ins Unermessliche loben – haben wir versucht zu vermeiden, aber muss man wohl gehört haben das Ding.

04. Archie, Marry Me (Alvvays)

© 2014 Polyvinyl Records

Makelloser Indie-Sound aus Toronto, mit einer Frauenstimme, die so unterproduziert klingt, dass sie fast aus einem Werbegeschenk-Kopfhörer dröhnen könnte. Wahrscheinlich liegt die wahre Größe dieses Songs wohl gerade in seiner Imperfektion und ist gewissermaßen auch derart schön trist, dass dazu ein Bild von der durch den Regen – laufenden Sandra Bullock im Abspann sitzen würde wie ein Sack Kartoffeln. Klappe zu. Anhören Freunde!

05. Frankly Mr. Shankly (The Smiths)

© 1986 Warner Music UK Ltd

Got the 21st century breathing down my neck, yo! Als Morissey noch kein von rechter Gedankensuppe zerfressener Trottel war, hat er mal Hochkultur als Missverständnis gemacht. Feinstes Filet sozusagen. Ein Rock-Testament für das England der Achtziger mit unglaublich gewitzten Texten solch beißender Selbstironie, dass sie fast schon wehtut. „The Queen Is Dead“ ist eigentlich die geborene Weltanklage, die Kontroverse ausm Brockhaus, wahnsinnig groß! In puncto Spätwerk ist er halt ein rassistischer Vollidiot mit einem Weltbild, das nicht über den Tellerrand der McDonalds Tüte hinauszukommen scheint, schade eigentlich.

06. french hotel (Yung Lean)

© 2018 Year0001

Lethargie, die – Zustand körperlicher und psychischer Trägheit, in dem das Interesse ermüdet. Es ist ja schon völlig pseudo-edgy so einen Duden Eintrag zu zitieren, aber kein Hauptwort setzt derart galant den Deckel auf dieses Werk wie die Lethargie. Stoisch-verstörender Cloudrap mit schwammiger Melodie, die den stark durchscheinenden schwedischen Akzent Yung Leans hüllenlos über den Beat wabern lässt. So viel Autotune ist fast schon Selbsttherapie. „Gänsehaut pur“ ist nicht nur eine Plattitüde für’s vom Zigarettenrauch vergilbte Wandtattoo!

© 2014 City Slang

07. Coffee (Sylvan Esso)

Mit „Coffee“ liefert Sylvan Esso die Paradestereotype für eine „Kaffeehaus“ Playlist auf Spotify – liegt ja auch nahe irgendwie. So eine Mischung aus Folk und Electro-Pop die irgendwas an sich hat, was sie unwiderstehlich macht. Latte-Mojito durch den Filter zischen, Cheers!

08. Allergic (Post Malone)

© 2019 Republic Records (UMG Recordings Inc..)

Post Malone hat ein neues Album vorgelegt. „Hollywood’s Bleeding“ heißt das Ding und eigentlich hat’s sowieso jeder mitbekommen, hat ja auch die Insta-Stories derber geflutet wie die Bottlecap Challenge und vergleichbare Belanglosigkeiten. Posty ist längst Popkultur, auch wenn das dem Bob Dylan – covernden Schrägie etwas aus dem Augentattoo raushängen wird. Auch wenn nicht ganz so monumental  wie „Beerbongs and Bentleys“ – „Allergic“ ist eine solide Rapmatinee und Post Malone ein wahnsinnig hübscher Kerl!

09. Rawnald Gregory Erickson the Second (STRFKR)

© 2008 Badman Recording Co.

Starfucker machen auf dem Papier so etwas wie Rock, Poprock oder Electro-Rock – in Wahrheit sind sie aber viel mehr als das. Ein bisschen Dragqueen, ein bisschen mehr Hipster ein Sinnbild für das Label „catchy“. Das Trio ist völlig zurecht, wenn auch etwas theatralisch, eines der Aushängeschilder von Portlands Musikszene.

© Patrick Lientschnig