Eine Wahl. Und ein Ergebnis zum Staunen.

Knapp 6,4 Millionen Wahlberechtigte waren am Sonntag aufgerufen, einen neuen Nationalrat aka Volksvertretung zu wählen. Wer gewinnen wird, stand seit Monaten fest -über das Ausmaß konnte man im Endeffekt aber dann doch noch staunen. Denn es gab zwei klare Wahlsieger: die (neue) Volkspartei und die Grünen. Im Gegenzug gab es aber auch einen bzw. zwei große Wahlverlierer: die Freiheitlichen und die Sozialdemokratische Partei Österreichs.

Mit einem Minus von zehn Prozentpunkten schlittert die FPÖ in ein gewaltiges Debakel und steht nun vor einem immensen politischen Scherbenhaufen. Mit nur rund 16 Prozent der Wählerstimmen sind die Blauen rund um Norbert Hofer naturgemäß nicht zufrieden. Mit diesem Ergebnis habe man keinen erneuten Regierungsauftrag erhalten, so der Parteiobmann. Der Gang in die Opposition ist – zumindest aus dem freiheitlichen Lager – sicher. Man wolle sich neu aufstellen, aus den vergangenen Fehlern lernen und die Partei rundum Erneuern.

Von den Träumereien der Spitzenkandidatin der SPÖ, Pamela Rendi-Wagner, war am Wahlsonntag nichts (mehr) zu hören. Der von ihr in den Raum gestellte mögliche Platz eins und ein prozentueller Zugewinn waren nur Tagträume, das Gegenteil war der Fall. Stimmen verloren, den Rückstand auf die ÖVP vergrößert: Die Sozialdemokraten haben rund fünf Prozentpunkte verloren und fahren mit nur knapp 22 Prozentpunkten somit das schlechteste Ergebnis ihrer Parteigeschichte ein. Nach der EU-Wahl die zweite Neiderlage für Rendi-Wagner – trotz „Ibiza“. Ein negativer Höhepunkt für die SPÖ, auch wenn ihr die Schmach von Platz drei letztendlich erspart blieb.

Der Partei von Peter Pilz, JETZT, erging es noch schlechter als den Blauen und den Roten. Es reichte für nur knapp zwei dürftige Prozent und er schafft den Sprung in den Nationalrat somit nicht. Dafür hätte er die Hürde von vier Prozent erreichen müssen.

Zu den (etwas kleineren) Gewinnern zählen die Neos rund um Beate Meinl-Reisinger: Sie können rund zweieinhalb Prozentpunkte zulegen und kommen auf knapp acht – das ist etwas weniger, als sie sich zu Beginn des Sommers noch ausgerechnet hatten und dennoch ihr bisher bestes Ergebnis bei einer Nationalratswahl. Das Ziel, Türkis-Blau II zu verhindern, sei erreicht worden und Parteiobfrau Mein-Reisinger gratulierte Kurz danach fair zum Wahlsieg.

Die Grünen können endlich wieder aufatmen! Nach ihrem politischen Überlebenskampf sind sie nun souverän und definitiv im Parlament zurück, wer weiß, ob es für mehr reicht. 14 Prozentpunkte und ein Plus von rund fast sagenhaften 10 Prozentpunkten, das historisch beste Ergebnis für die Grünen. Das ist nicht nur Spitzenkandidaten Werner Kogler zu verdanken, sondern vor allem auch den gegenwärtigen Klimakrisen all around the globe sowie Greta Thunberg und ihrer demonstrierenden Gefolgschaft, die der Öko-politischen-Großwetterlage zusätzlichen Aufwind verleihen.

Der (erneut) größte Gewinner der Wahl ist Sebastian Kurz sein. Er erreicht mit 37 Prozentpunkten einen historischen, noch nie dagewesenen Vorsprung für die ÖVP auf die SPÖ. Der Favorit hat sich durchgesetzt. Und wie. Mit mehr als 37 überragenden Prozentpunkte hat man nicht gerechnet. Kurz sei unendlich dankbar, nehme das Vertrauen mit Demut an und werde mit allen Parteien Gespräche führen. Es ist erneut ein beispielloser Triumph der türkisen ÖVP, die nun vor richtungsweisenden Entscheidungen betreffend die nächste Regierung steht. Man darf gespannt sein, welcher Weg eingeschlagen wird. Fest steht jedenfalls, dass dieses Ergebnis unvermeidlich zum Staunen verleitet. 

Quelle: Sebastian Kurz Facebook

Anmerken darf ich, dass bei diesem Ergebnis vom Montagvormittag die Briefwahlstimmen und sonstige Wahlkartenstimmen noch nicht enthalten sind, die erst am Montag bzw. Donnerstag ausgezählt werden. Sie werden noch kleine Änderungen im Zehntelprozentbereich bringen.

© Felix Haidenberger