Geschick trifft auf Timing – die Grünen als erster (sicherer) Wahlsieger

Ibiza, Misstrauensvotum, Neuwahlen. Als der „große“ Gewinner der Nationalratswahl wird allen Umfragen nach die türkise ÖVP unter Sebastian Kurz hervorgehen. Bereits jetzt gibt es aber bereits einen „sicheren“ Gewinner der vorgezogenen Neuwahlen: die Grünen. Denn der Wiedereinzug in das Parlament ist ihnen gewiss. Und damit auch wieder der Zugang zu Macht, Geld und Posten.

Es war vor knapp zwei Jahren, als die Grünen bei der Nationalratswahl nicht über vier Prozent kamen. Ein desaströser Absturz, der nicht ohne Folgen blieb: die Grünen flogen aus dem Parlament. Der Zustand der Partei glich zu jenem Zeitpunkt einem politischen Super-GAU. Es sah düster aus für die Partei. Die Grünen waren bis zu diesem Zeitpunkt eine seit Jahrzehnten aufstrebende und schließlich etablierte Partei in Österreich. Personell und finanziell glich das Ausscheiden aus dem Parlament einem Todesstoß, denn die meisten Mitarbeiter verloren ihren Job und die Klubförderung sowie andere finanzielle Spritzen wurden trockengelegt. Als Partei nicht im Parlament vertreten zu sein gleicht einem Desaster, denn ist eben das Parlament sowohl die Bühne des politischen Akteurs als gleichsam auch das Sprachrohr zum Volk. Und wen interessiert in der Öffentlichkeit eine Partei, die ihre Wähler gar nicht vertreten kann? Doch manchmal müssen sich gewisse Dinge verändern, damit etwas Neues fruchten kann…

Totgeglaubte leben länger, so auch die Grünen. Es folgt ein kleiner Ausschnitt der Rückkehr in grün wie aus dem „Grünen Bilderbuch“: Sie haben keinen Rückzieher gemacht, gaben – des Klimas wegen – nicht auf, kämpften sich zurück (bzw. wurden vielmehr zurückgekämpft) und wurden bei der EU-Wahl im vergangenen April mit rund 14 Prozent belohnt. Alleinig am gepflegt- und gutaussehenden Spitzenkandidaten „Hottie Kogler“ lag das wohl nicht! Die Bewährungsprobe für die anstehende Nationalratswahl haben die Grünen also auf die Reihe bekommen. Grund dafür war/ist die Klimadebatte in Österreich, die unter anderem mittlerweile das seit 2015 präsente Thema Migration abgelöst hat und weit überdunstet. Wohlgemerkt: Ganz ohne in die Luft gegangene Atomkraftwerke!

Unbestritten, dass die Problematik rund um Schlagwörter wie Umwelt und Klima medial und politisch aktuell der Renner schlechthin sindt. Umweltbewusstsein vieler in der Bevölkerung wird durch die vergangenen Hitze-Sommer und der Zunahme extremer Wetterlagen geschaffen: „Klimakrisen all around the globe“.Der Klimawandel wird zunehmend für jeden spürbar, womit der gesellschaftliche Hype auf den Umweltschutz gelenkt wird. Deshalb liegt es in der Natur der Sache, dass die Öko-Partei mit den Kernthemen Umwelt- und Klimaschutz die Chance wittert, ihr „Können“ in Sachen Umwelt zum Besten zu geben und den Führungsanspruch in Sachen Natur zu stellen, denn es ist schließlich „fünf vor zwölf“. Getreu dem Motto: Noch „mehr Bio“, noch „mehr Öko“ – jetzt erst recht!

Ich halte die Grünen für eine etablierte politische Kraft, als die eigentlich viertgrößte Partei im Lande. Doch die Grünen müssen auch zumindest im Parlament vertreten sein um die gepriesene Verantwortung für uns alle, für die Gesellschaft in Sachen Öko übernehmen zu können. Um den Unterschied gegenüber den anderen Parteien in Sachen Öko zu machen, müssen sich die Grünen als innovative und kreative Kraft beweisen, die tatsächlich den belobigten Unterschied macht.

Die Zukunft wird zeigen, ob der grüne Hype gerechtfertigt ist. Ob die Erwartungen der Wähler erfüllt werden, ob etwas für unser aller Zukunft getan wird, wenn sie die Möglichkeit dazu haben – und das werden sie aller Voraussicht nach. Oder ob das (vorerst) erneut letzte Kapitel im „Grünen Bilderbuch“ mit der Entzauberung der Grünen nach der Wahl geschrieben wird…