Frederick Lau. Straßenköter. Mister Cool. Porträt.

Eigentlich ist es nichtmal eine Farce, Frederick Lau als die deutsche Antwort auf Marlon Brando dahinstehen zu lassen. Ein Typus Berghain, ein Typus Bulldogge vom Steglitzer Straßenkiez. Lau ist, auch wenn das jetzt ein wenig kitschig klingt, ein Ur-Berliner , wie er im Buche steht – aber er hat halt auch eine gute Prise Hollywood in sich.

© Warner Bros. Pictures Germany

Man kann sich eigentlich gut in Gedanken ausmalen, wie dieses Gesicht des deutschen Films wohl riechen mag. Vermutlich nach Davidoff Cool Water, etwas dick aufgetragen, abgerundet von kaltem Zigarettenrauch Marke Gauloise, irgendwas elegant klingendes halt, irgendwas, das verdächtig an GQ  Seite 218 erinnert. Frederick Lau hat einen ausgeprägten Faible für Neunzigerjahre Westküsten Hip Hop, er ist Fan von Borussia Dortmund. Muss ja so sein, weil die Mutter vom Ruhrpott kommt. Fan vom Inbegriff des deutschen Arbeiterklubs also, was so gut zu Lau passt, dass es eigentlich schwer ausdenkbar scheint.

Frederick Lau ist ein Typ der Marke Straßenköter, der stark nach Schwarz-Weiß-Filmen, nach dem Berlin der Fünfziger aussieht. Er ist Dreißig, zweifacher Gewinner des Deutschen Fernsehpreises, Grimme Preisträger, Kultfigur und vermutlich auch Familienmensch.  Eigentlich ist er der wandelnde Duden der bekanntlich etwas locker sitzenden Berliner Zunge, sowohl Bauchmensch als auch Bauchschauspieler, ehrlich und „drauf los“ bis in die letzte Faser seines von der Baskenmütze garnierten Körpers.

Ich verstehe nicht, warum man sich gegenseitig nicht mehr Scheiße finden darf.

Frederick Lau, in irgendeinem Interview, irgendwann einmal

Genauso beeindruckend wie eigentlich alles an ihm, ist auch die Vita dieses, Achtung Plattitüdenwarnung, echten Originals. Schon 1999, im zarten Alter von zehn Jahren, bewirbt er sich für seine erste Filmrolle und feiert schließlich in der Rolle des etwas psychotisch wirkenden Schülers Tim in Denis Gansels Literaturverfilmung „Die Welle“ den Durchbruch auf der großen Bühne. Seitdem hat er in unzähligen Filmen mitgespielt, die jetzt alle aufzuzählen eine Farce wäre. Hauptsächlich brilliert er jedoch immer in einer Rolle, die seinem Natural nicht komplett fern scheint. Er floriert fast immer als Berserker vom Straßenkiez, als Proll mit einem goldenen Herzen. Der geborene Antiheld also, der dann doch irgendwie Held zu sein scheint. Glamour und Dekadenz scheinen ihm auf der Filmbühne, aber auch in seiner Paraderolle als Frederick Lau selbst, ein Graus zu sein. Lau ist der beste Beweis dafür, dass Vollkommenheit immer erst einmal völlig uninteressant ist. Dies hat er in seinen Rollen als wandelnde Sollbruchstelle in zahlreichen Kassenschlagern wie „Victoria“, „4 Blocks“ und „Die Welle“ zweifelsohne bewiesen.

Die richtigen Arschlöcher hingegen, die Wichser, die dann aber richtig geil spielen, die liebe ich, die finde ich wunderbar.

Frederick Lau im Interview mit der Süddeutschen Zeitung

Paart man diese Fähigkeit, jedem Film in dem er so herumhampelt, einen ehrlich gemeinten Betondschungel-Touch mitzugeben mit seinem Engagement für die NPO „Viva con Agua“, die sich für die Trinkwasserversorgung und für sanitäre Anlagen in Ländern des globalen Südens einsetzt, dann ist Frederick Lau eigentlich der Inbegriff eines Straßenprolls, den man eigentlich unmöglich nicht mögen kann. Wie Marlon Brando eben.

In Paris bin ich höflich, in Berlin Berliner!

Frederick Lau im Interview mit dem Tagesspiegel

Anfang 2020 knallt Regisseur Simon Verhoeven, der mit „Willkommen bei den Hartmanns“ ein echtes Highlight der jüngeren deutschen Kinogeschichte ablieferte, die Komödie „Nightlife“ auf die deutschsprachigen Leinwände. Mit von der Partie: Elyas M’Barek, Palina Rojinski und natürlich Frederick Lau. Eine Paradiesvogelparade, die förmlich nach großen Kino schreit!

© Patrick Lientschnig