Red Bulls‘ Championsleague-Challenge

Red Bull Salzburg, Dosenapostel oder kurz FCS. Wie auch immer, stand die Fußballmannschaft aus der Mozartstadt mittlerweile nicht nur einmal im Rampenlicht der Europäischen Fußballbühne. So auch gestern. An einem Dienstag. Ungewöhnlich – spielte der international unter dem Decknamen „FC Salzburg“ spielende Verein ansonsten nämlich nur an den Donnerstagsabenden. Doch dieses Jahr war es so weit: die erstmalige Champions-League-Teilnahme „gelang“, ebenso ein Auftakt nach Wunsch. Der Oberhammersupderdupererfolg für Dietrich aka Didi Mateschitz schlechthin!

Quelle: FC Red Bull Salzburg Homepage

Es war im Jahre 2005 als sich Herr Didi Mateschitz (eventuell unter Koffein-Schock stehend?) fragte „Wohin mit der ganzen Kohle“? Er überlegte, was er sich als nächstes zulegen könnte. Es wurde ein Fußballverein, genauer der SV Austria Salzburg. Fortan darf er sich Vereinsvorsitzender auf Lebenszeit nennen lassen. Mr. Energy beschloss umgehend, sein „neues Spielzeug“ zu konfigurieren. So wurde aus dem lila Haufen ein neu editierter Rot-Weißer und es gab einen neuen Namen: Red Bull Salzburg.

Daraufhin begab sich Mateschitz jeweils in den Sommerschlussverkäufen auf dem Transfermarkt auf Talentsuche. Viele minderjährige Jünger äh, heranreifende Hoffnungsträger alá Rohdiamanten wurden entdeckt, gekauft und ausgebildet. Die wortwörtlich junge Philosophie? Erfolgreichst! Als Beispiel dafür seien nur die Dosen- Legenden (bei denen jeder Fußballfan schwach werden muss!) rund um Marc-Steher-Janko, Stefan Maier-Eier-Hofer oder Alexander Zickler erwähnt, die die ersten Jahre des neu erfundenen Fußball-Entertainments in Salzburg prägten. Die Meisterschaft und der nationale Cup-Bewerb wurden fortan weitgehend gewonnen. Als wären die Titel nicht aller Ehren genug, hamsterte der neue Verein zudem sämtliche (Un)-Beliebtheitspreise bei Umfragen unter Fans ein. Doch die Red-Bull-Hintermänner änderten das Konzept einer jungen, dynamischen und „hungrigen“ Mannschaft deswegen nicht. 

Die koffeinhaltigen Stadionkunden und die vor dem TV-Sitzenden, schlürfenden Norm-„Ahhhh“-Red-Bull-Trinker langweilten sich schnell. Mateschitzs Ziel: Champions-League zu spielen, um die überschaubare Fangemeinschaft der Bullen bei Laune zu halten. 3781 dosenöffnende Zischs, ein rundum erneutes Stadion und n’paar neu gekaufte Vereine später ging der Traum des mittlerweile 75-jährigen Mateschitz nun auf. Mehr als zehn Jahre, mehr als einige Qualifikations-Blamagen (darunter gegen den übermächtigen Gegner F91 Düdelingen im Jahre 2012) musste Didi auf die Erfüllung seines Traumes warten. Im Jahre 2019 ist es so weit, kein Quali-Lospech für die Bullen – Halleluja. Red Bull Salzburg bzw. FC Salzburg darf erstmals Champions-League spielen!

Und wie! Dienstagabend. Kurz vor Einundzwanziguhr – Zeit zum Einlauf der Mannschaften. Quasi alle Farben des Regenbogens beleuchten die Jünger des FCS (aber auch die Genker-Gurken-Truppe). Für die Menschen auf den Tribünen der erste Herzraser am (noch) frühen späteren Abend. Dabei soll es nicht bleiben. Es ertönte „WIR SIND DIE BEEEESTEN“ – so sollte (auch) das Motto des gestrigen Abends lauten. Spätestens das war der zweite Herzraser – und hatte auch so etwas wie Gänsehautmoment für die knapp 30.000 begeisterten Fußballfans in der Red Bull Arena. Ausverkauft. Volle Hütte. Mhhh, das sorgt für Gänsehaut im Gehirn! Das Motto für die nächsten neunzig Minuten war klar: Das Runde muss ins Eckige.

Manche werden ihr Red Bull Cola noch gar nicht geöffnet haben, klingelte es. 1:0 für die Hausherren nach nur knapp zwei Minuten. Wahnsinn – Herzrasen No. 3, wenn man so mag. Gänsehautmoment No 2. Der Torschütze: Erling Haaland. Ja, DER 19-jährige Erling Haaland. Was folgte, war irgendwas zwischen Selbstinszenierung und purer Freude: Ein unter voller Energie stehender Haaland ließ sich feiern – und alle machten mit! So spielt man und lebt man beherzt Fußball! Genau so. Ausgesprochen ungewöhnlich die Stimmung zu diesem Zeitpunkt. Gänsehaut Moment No. 3. Doch das war nicht die letzte Selbstinszenierung eines kommenden Superstars am heutigen Abend – ebenso wenig die letzte ausgelassene Partystimmung in der Arena!

Quelle: GEPA

Es folgen mehrere, mindestens (noch) exakt fünf solche Momente. Denn es folgte ein Feuerwerk der ganzen „Bullenherde“ – aber auch eine One-Man-Show von dem infernalisch auftretenden Haaaaaaaaland. Momente, die man als naivromantischer Stadionbesucher wohl nicht so schnell vergessen wird. Schnelles Umschaltspiel, eiskalte Torverwertung und eine Verteidigung on point sorgten für ein sechs zu zwei nach neunzig Minuten! 6:2 im ersten Champions-League Spiel. Die Leistung der Mannschaft glich einem ICE Express, der sich nicht einbremsen konnte –bzw. wollte! Champions-League-Wahnsinn hier in Salzburg. Zum ersten Mal. Die Fans verneigten sich vor der beachtlichen, makellosen, ja gar „meisterhaften“ Leistung ihrer Bullen. Enthusiastischer hätte sich keiner freuen können – zu Recht, wie ich finde. Ein furioser Sieg – märchenhaft. Wer hätte sich das erträumen können? Wohl nur ein unter Koffein-Schock stehender…

Als Endzitat bleibt mir nicht viel über. Perfekte Scouting- und Nachwuchsarbeit und das Non-Plus-Ultra-Talent Haaland. Das Warten, das jahrelange „Dran-bleiben“ hat sich gelohnt. Es hat so etwas wie per aspera, ad astra. Wortwörtlich.

© Felix Haidenberger