Die Der Zeit-Playlist – August zweitausendfuckingneunzehn

Für unsere neue Rubrik hat das (dünn bestückte aber doch vorhandene) Kulturressort von Der Zeit mal in den Untiefen ihrer Spotify Accounts gebuddelt und jene Sounds aus dem Hut gezaubert, die uns im vergangenen Monat die Air Pods aus dem Hirn geschossen haben. Unser ganz persönlicher musikalischer Monatsrückblick, et voila!

01. High (Young Thug feat. Elton John)

© 300 Entertainment/ Atlantic

Zugegeben, die Kombo dieser Zwei klingt wie ein schlechter Witz von Mario Barth. Ein meisterliches Engagement von Thug-Produzent Stelios Phili setzt jedoch einen dicken, fetten Punkt ohne Komma hinter das Zusammenspiel von Young Thugs Autotune-Attitüde, unterlegt von einem ikonisch aufgepeppten Sample von Elton John’s „Rocket Man“. Der Song zündet wie eine Rakete!

02. Introspection (MGMT)

© Columbia Records

Für unseren nächsten Song haben wir uns die meistkritisierte MGMT Platte (MGMT) gekrallt, darauf einen der am meisten kritisierten Songs durch unsere JBL Speaker rattern lassen – und hatten nichts weiter auszusetzen. In ihrem wohl kalkulierten Schlag gegen das der Band verpasste Brandmal nach „Oracular Spectacular“, Pop Mainstream zu sein, haben sich Ben Goldwasser und Andrew Van Wyngarden in ungreifbarer Melancholie ausgetobt. Eine von der Kritik vielgehasste Ode an den Synth-Pop, auf die wir nun rotzfrech das Prädikat „bombastisch“ klatschen.

03. Zuhause (Fynn Kliemann)

© twoFinger Records

Von Beruf ist Fynn Kliemann Webdesigner, Unternehmer, Musiker, Autor, Schauspieler, YouTuber und „Aus Scheiße Gold Macher“. Bei einer Platte aus dem Segment „Neue Deutsche Pop Poeten“ konnten auch wir uns die ein oder andere vorgefasste Spitze gegen Kliemanns neues Projekt nicht verkneifen. Das Album versprüht jedoch, auch wenn es ein bisschen nach Max Giesinger klingt, einen einzigartigen Heimwerker-Charme. Hier ein bisschen Kiez, da ein bisschen Clueso – aber immer weit entfernt von der deutschen Industriemusik. Nimm das, Sarah Connor!

04. Bullet in My Heart (Mavi Phoenix)

© LLT Records

Gut, Linz ist so etwas wie der bucklige und von den Eltern weniger geliebte Bruder Salzburgs. Mit Mavi Phoenix, bürgerlich (dieser Ausdruck ist wohl meine Voranmeldung an die Frühpension) Marlene Nadler, haben die Oberösterreicher jedoch einen echten Diamant in Österreichs Poplandschaft geboren. Ein Mix aus Pop, Rap und R&B, gepaart mit zahlreichen Einflüssen von Mavis Helden wie David Bowie, Queens of the Stone Age und vielen mehr, machen „Bullet in My Heart“ zu einem Song, den man einfach gehört haben muss!

05. Someday (The Strokes)

© Sony Music Entertainment

Eine Gruppe von New Yorker Snobs, die auf Punk machen, muss man doch scheiße finden, oder? Auch wenn die Erwartung an ihre Debütvorstellung „Is This It“ (2001) eine herausgeputzte, überproduzierte Poprock-Matinee war, so waren The Strokes viel mehr als das. Gewollt kratzige und heruntergepitchte Vocals von Julian Casablancas und virtuoses Songwriting setzen „Someday“ völlig zurecht auf Platz 53 von Pitchforks besten Songs der 2000er.

06. Keine Zeit zu Verlieren (Gisbert zu Knyphausen)

© [PIAS] Recordings Germany

Nein, wir sind keine gefühlskalten Autorenschweine. Darum hier der Beweis, dass wir die androgynsten Fische im Teich sind. Eine Ballade über Liebeskummer, Herzschmerz und einem dicken Batzen an Melancholie, mit bombastisch klugen Texten und einer gewaltigen Melodie. Wer sich hin und wieder einmal in die Traurigkeit stürzen möchte, für den ist das hier der Schlüssel!

07. 10,000 Emerald Pools (BØRNS)

© Interscope Records

Ein süchtigmachender Track aus der Kategorie Synth-Pop, Dance Pop, Indie Pop oder wie auch immer man dieses Genre nennen mag. Ein bisschen Indierock, ein bisschen mehr MGMT und Tame Impala, gepaart mit der wahnsinnig hohen Falsettostimme von Garrett Borns, Singer und Songwriter aus Michigan, machten „10,000 Emerald Pools“ zu einem Fixstarter in der Spotify Playlist für uns im vergangenen Monat.

08. Square One (Paul Kalkbrenner)

© Paul Kalkbrenner Musik

Paul Kalkbrenner ist spätestens seit seinem Chartstürmer „Sky and Sand“ DER Shootingstar des eher poppig angehauchten Technoflügels Berlins. Etwas weniger auf dem Radar des Mainstream ist jedoch einer der Soundtracks zu seinem autobiographischen Film „Berlin Calling“. Berlin hat angerufen, es klingt geil!

09. Your Silent Face (New Order)

© Warner Records 90 Ltd

Zum krönenden Abschluss noch einer aus Vaddi’s verstaubter Plattenkiste! Mit „Power, Corruption and Lies“ lösten sich New Order 1983 finally (!) von den Post Punk-Fesseln ihres früheren Wesens Joy Division. Mit etwas träumerischerer Atmosphäre und komplexen Texten zeigten New Order damals, dass noch viel mehr in der Band steckt als ihr „Greatest Hit“ „Blue Monday“. Ein Fingerzeig in die Achziger und ein definitiver „Add“ für die Spotify Liste!

© Patrick Lientschnig