Die Perlen des Salzburger Nachtlebens

Die Partylandschaft Salzburgs – von den „Locals“ mit Stereotypen durchlöchert und allseits verhasst. Irgendwie kommt man dann doch nicht drum rum und findet sich in den wabernden Bässen irgendeiner Bar wieder, von der man eigentlich eh immer meckert – da gehen ja nur Depperte oder Druffis hin – aber lustig ists ja dann doch immer.

Heute: Das Watzmann

L’introduction

Das Watzmann, allseits bekannt als das Glamour-Kalifat von Salzburgs sympathischster Klatsch und Tratsch Bildungseinrichtung,  der Tourismusschule Klessheim. Die Klessheimer Garde wiederholt hier am liebsten in einer Praxisübung den Stoff von der Weinkenner Prüfung und schüttet sich demnach hemmungslos etwaige Spirituosen in den vom Ralph Lauren Poloshirt eingezwängten Leib. Sonst ist das Watzmann ein Ort für jeden Ottonormal-Jugendlichen, der sich beim obligatorischen Drive By DM-Besuch  eine halbe Flasche Jil Sander Sun in die Poren drückt. Ein lustig anzuschauendes Klientel, gepaart mit traumhafter Lage am Troja Kebap sind ein knallhartes Versprechen an die Salzburger Barlandschaft. Großes Kino! Til Schweiger guckt nun irritiert aus seinem Audi Coupé.

Die Innereien

Von außen wirkt das Watzmann wie ein in die Imbergstraße geklopptes Quadrat, garniert mit einem riesig fetten „DrinkzumindenBelvederschütten“ Logo. Der Außenbereich ist jedoch ein echter Hingucker. Mit netten Sitzklötzen, gepaart mit ins Gesicht klatschenden Palmwedeln und Lila Pornolicht schafft man es im Watzi, eine Hommage an eine hippe Hamburger Hafenviertelstrandbar zu verkörpern, in der Schnee nur als Naturalersatz für Nasivin anerkannt wird. Innen gibt’s hier nur das Standardgedöns. Zwei Bars, zwei völlig vollgepackte (sowie gekotzte) Dancefloors und eine kleine Wendeltreppe in den zweiten Stock hinauf, deren Begehung unter der schweißdampfenden Haut der vollgetrunkenen Salzburger Jugend jedes Mal einer Nahtoderfahrung gleicht. Steckt’s das mal dem Jochen Schweizer!

La musica

Wer sich hartgeile EDM Mixes von 90er Poprock-Klassikern oder ein Bebe Rexha Gedächtnisgeträllere anhören will, für den ist das hier der Place-To-Be! Als ein Garant für ohrenbetäubende Mitgröhlerei und exzessives „woohoo“ Geschreie von Salzburgs Instagirls, reiht man sich in puncto Musik zwar anstandslos in die Salzburger Fortgehlandschaft ein, macht aber definitiv Bock an manchen Tagen.

Die Türpolitik

Kein Eintritt – mega! Keine Schlange – mega! Wer das „mega“ nun a la Dieter Bohlen im versumpften Kopf gehört hat, der sollte sich jetzt mit einen Hammer besinnungslos auf die Finger hauen. Ich habe nun blaue Finger und schmücke die Türpolitik im Watzmann mit berechtigten Loorbeeren! Die Toilettenpolitik gleicht jedoch eher einem Hochsicherheitstrakt. Unter der strengen Diktatur der liebsten Klodame der Stadt namens Rosi wird Jede/-r mit einem tötenden Blick bestraft, der der Rosi keine abgegrabbelten 50 Cent in die Plastikschüssel steckt. Nicht mega!

Flüssignahrung

In puncto Flüssignahrung sticht man im Watzmann nicht aus der Menge heraus. Bier für vier Euro, Cocktails für acht Euro und Mineralwasser für siebentausendfünfhundert Euro sind Salzburger Standard. Wer hier kein Seiterl, Vodka Bull oder einen Spritzer den Rachen runterfließen lässt ist sowieso ein Aussätziger und gehört standesrechtlich auf Instagram gebashed.

Das Fazit

Alles in Allem ist das Watzmann eine alte Koryphäe im Salzburger Nachtleben und man kann ihm demnach keinerlei Daseinsberechtigung absprechen. Man hat das Rad keinesfalls neu erfunden, ist jedoch immer gut für lustige Anekdoten und feuchtfröhliche Abende, getopped mit mindestens drei abendlichen Toilettendates mit der lieben Rosi, die mittlerweile so etwas wie eine Landeshauptfrau für familienbeihilfebeziehende Jugendliche darstellt. Großes Kino! Grüße gehen wiederum raus an Jan Josef Liefers oder wie auch immer der Typ heißt der in jedem zweiten ARD-Tatort rumhampelt.

© Patrick Lientschnig