Norberts Wunsch der Regierungskoalition – zum Hofer Preis.-

Bei den vor rund zwei Wochen angegangenen Sommergesprächen mit den Spitzenkandidaten der Parteien unter der Führung von ORF-Journalist-Newcomer Tobias Pötzelsberger war Montagabend der aktuelle FPÖ-Chef Norbert Hofer zu Gast. Neben der minutenlangen Rechtfertigung für die (scheinbar ausgemachte) Problem-Person HC Strache tönte Hofer wieder einmal seine Wunschkoalition in die Kameras und Mikrofone: die Fortsetzung der „erfolgreichen“ türkis-blauen Regierung.

Der einstige Partei-Chef, Heinz-Christian Strache (ja, immer noch FPÖ), bereitet der FPÖ derzeit, so scheint es, nur Probleme. Nach dem medial mittlerweile ruhig gewordenen Ibiza-Skandal (dazu mehr) hatte sich die prekäre, ich würde sogar behaupten kurzfristig aussichtslose Lage der FPÖ stabilisiert und die Umfragewerte stagnieren auf relativ mittlerweile FPÖ-gewohntem Niveau. Soweit – so gut, für die Freiheitlichen. Nun aber gibt HaTse plötzlich mit der FPÖ-Führung nicht abgesprochene Interviews – und stellte sich in den vergangenen Tagen medial ins Rampenlicht. Zum Schaden des designierten FPÖ-Obmanns Hofer. Denn dieser schwingt nicht im Einklang mit den Aussagen seines Vorgängers und versucht, sich von den Darstellungen Straches zu distanzieren und den zurzeit schief hängenden Haussegen zu richten: Straches Aussagen würden dessen Privatmeinung spiegeln, seien aber nicht die Parteilinie.

Beim Sommergespräch waren diese Interviews von Beginn an Gesprächsthema No. Uno – und das, obwohl Hofer und nicht Strache geladen war. Zeit, die neuen Vorwürfe gegenüber dem-Ansehen-der-Partei-schädigenden-Strache wegzulächeln, blieb Hofer kaum – Pötzelsberger hakte nahezu andauernd nach und hackte Norbert Hofer so quasi um – denn ihm verging sein Dauer-Lächeln auf den Lippen und die sanfte Stimme vorübergehend. Hofer formuliere eben anders als Strache – ja, er sagt dasselbe eben durch die Blume, schön verpackt und mit behutsam zahmer Stimme. Laut Pötzelsberger ist Strache ein Unternehmer, der nach der Betriebsübergabe die Firma nicht loslassen könne – Hofer reagiert nach außen hin gelassen, er habe Strache „in den letzten Wochen in dieser Firma nicht gesehen“. Und ob wir ihn wieder in dieser Firma sehen werden? Zum Beispiel bei der Wien-Wahl 2020? Deutlicher denn je weist Hofer darauf hin, dass ein Comeback Straches, solange die Ermittlungen rund um Ibiza laufen bzw. das Verfahren nicht eingestellt worden ist, ausgeschlossen sei. Seine Unschuld müsse jedenfalls bewiesen werden, aber selbst dann, bei diesem durchdachten, für Strache vermeintlich positivsten Szenario, sei dennoch nicht fix, dass Strache für die FPÖ bei der Wien-Wahl antreten werde, denn „einfach wird das nicht“, so der redegewandte Hofer. Aber ein Parteiausschluss Straches käme jedenfalls nichts in Frage, denn sein Vorgänger habe „viel geleistet“ und befinde sich in einer aktuell „sehr schwierigen Situation“.

APA/GEORG HOCHMUTH
Quelle: APA/Georg Hochmuth

Hofer warb anschließend erneut für eine mögliche Neuauflage von Türkis-Blau – jegliche andere Regierungsbeteiligung der Blauen schloss er aus und bei einer Absage Kurz‘ würde sich die FPÖ wieder als Oppositionspartei beweisen. Der Regierungswunsch von Hofer ist schon länger klar, nicht aber, dass Hofer härter verhandeln wolle als zuletzt. Durch diese Ankündigung diesmal härter zu verhandeln als Strache damals demonstriert der eloquente Hofer Selbstbewusstsein – demonstriert, dass nicht alles von Strache abhänge und (auch) er die Partei führen kann. Ala „vergesset Strache, man nehme mich!“.

Apropos Regierungsbeteiligung: der bekannten Koalitionsbedingung Kickls, bei einer Neuauflage erneut Innenminister werden zu wollen, sieht Hofer in Anbetracht dessen, dass Kurz‘ Kickl nicht mehr als (Innen-)Minister haben möchte, gelassen entgegen und meinte nur, dass nach der Wahl oft alles anders sei und man in Regierungsverhandlungen eben Kompromisse eingehen müsse. Absurd, dass darüber (immer) noch diskutiert wird – sollte nach dem Statement von Bundespräsident Van der Bellen diese Diskussion schon längst beendet sein! Aber auch hier möchte sich der nach außen hin liebenswürdige Hofer kämpferisch und standhaft geben, zum Beweis einer stabilisierten und zukunftstragenden Partei.

Durch dieses rund 60-minütige Interview, inmitten einer – so wirkt es zumindest – Blumenwiese, wurde eines klar: Die (politisch aktive) FPÖ rund um Spitzenkandidaten Norbert Hofer hat viele Probleme. Noch werden diese Probleme weggelächelt – zumeist. Im Hinterkopf von Hofer sitzt jedenfalls (berechtigterweise) auch die Angst, eine Wahlniederlage wie nach Knittelfeld zu Beginn des Jahrhunderts einzufahren, wenn sich der – noch nicht öffentlich ausgebrochene, dennoch sich anbahnende – Streit zwischen dem Vorgänger Hofers und diesem selbst nicht rasch legt. Hofers Handlungsspielraum bezüglich Strache ist durch seine Verdienste für die Partei und dessen Social-media-Lobby als auch durch die breite Unterstützung in der Bevölkerung eingeschränkt. Zudem kommt das „Unbedingt-in-die-Regierung-wollen“ des Herbert Kickls, was Hofer ebenfalls vor Probleme stellt. Der Kampf Kickls um das Innenministerium – diesbezüglich wird mittlerweile auch hier ein Streit zwischen „good“ und „bad Cop“ kolportiert. Hofer, der – entgegen seiner Aussagen – das Innenministerium für eine Regierungsbeteiligung sicherlich opfern würde, während Kickl darauf beharren würde, hat es auch in diesem puncto nicht leicht. Ja gar schwierig, den kleinen Sturkopf Kickl solange es geht im Zaum zu halten. Zu guter Letzt stellte sich in diesem Interview heraus, dass die FPÖ – außer Rechtfertigungen – zurzeit kein Thema hat, um sich in das Spotlight stellen zu können. Um den Klimaschutz kümmerten sich die Freiheitlichen nie wirklich, die Migration stellt zurzeit kein großes Thema dar und auf einen „Öxit“ kann man nach dem Dilemma mit den Briten auch nicht mehr setzen.

Angesichts der Polarisierung rund um Strache, dem Regierunsgdilemma und den fehlenden Wahlkampf-Themen hätte Hofer im Sommergespräch auch sagen können: „Das wird einfach nicht!“ – und Recht hätte er.

© Felix Haidenberger