Über den Drahtesel und dessen Zweckdienlichkeiten

Mit eigener Muskelkraft von A nach B – was früher noch als das Fortbewegungsmittel No. 1 der mit Jutebeutel ausgestatteten Ökohippis par excellence galt, wird in vielen Städten zunehmend in allen Gesellschaftsschichten en vogue: das Radfahren. Im Sinne zur Erreichung der diversen Klimaziele auf unserem Globus und den erzeugten individuellen und gesellschaftlichen Mehrwert sollte durch den längst überfälligen Bewusstseins- und „Kulturwandel“ Radfahren (hauptsächlich) in der Stadt eben die Alternative zur Benzinkutsche und Dieselschleuder werden: denn viele Pkw-Wege sind kurz und können auf das Radfahren verlagert werden.

Durch die Erfindung des Autos wurden wir immer verwöhnter, viele Menschen haben quasi die Fähigkeit verloren – durch illustrierten Luxus der Oberschicht oder aus purer Faulheit aller anderen -, sich selbstständig ohne motorbetriebene Hilfe fortzubewegen und leiden durch (verkehrsbedingten) Bewegungsmangel an Übergewicht. Wege, welche früher aktiv mit dem Fahrrad zurückgelegt wurden, werden kontemporär „komfortabel“ und passiv mit dem Auto zurückgelegt: Jede fünfte Autofahrt ist kürzer als 2,5 Kilometer, 40 Prozent sind kürzer als fünf Kilometer und durchschnittlich legt heute jeder autofahrende „Couch-Patatoe“ mit dem Schadstoffbomber rund 40 Kilometer pro Tag zurück – viermal soviel wie vor 50 Jahren. Die benötigte Zeit, um Wege mit dem Fahrrad zurückzulegen, wird oft überschätzt – vor allem von Personen, die sich selten bzw. nie auf den Fahrradsitz schwingen. Durch die passive Mobilität der Kraftstoff fressenden Personenkraftwagen wird die eigene Gesundheit, die anderer Menschen und die Umwelt zusehends angegriffen.

Quelle: Sven Pförtner/dpa

Die individuellen Vorteile des Radfahrens sind zahlreich. Dies beginnt bei den Kosten: neben den Anschaffungskosten bestehen das ganze „Auto-Leben“ lang die Betriebskosten wie zum Beispiel die Reparaturkosten und die Fixkosten wie Kraftstoff und Versicherung. Werden alleine nur die Betriebskosten berücksichtigt, beläuft sich der per Pkw zurückgelegte Kilometer – je nach Loser bzw. Luxuskategorie der Karosse – zwischen 50 Cent und einem Euro, während sich die Kosten beim Radfahren auf rund zwei Cent pro Kilometer belaufen. Der wohl persönlich größte Nutzen des Radfahrens liegt wohl in der positiven Wirkung auf das physische und psychische Wohlbefinden. Aktive Mobilität erfordert den Einsatz von Muskelkraft. Dieser Energieeinsatz ist eine Investition in die persönliche Gesundheit, hilft Übergewicht zu vermeiden und senkt das Risiko zahlreicher Krankheiten. Durch das gemütliche oder etwas sportlichere „Stadtradeln“ wird das Herz trainiert und verschiedenste Beinmuskeln werden aktiviert. Eine Integration der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgegebenen aktiven 30 Minuten pro Werktag in den Alltag kann durch das Radfahren im Alltag einfach und praktisch umgesetzt werden.

Neben den aufgezählten individuellen Nutzen hat die aktive Mobilität aber auch einen Nutzen für die Gesellschaft. Die Gesamtgesellschaft profitiert von diesem bewegungsaktiven Lebensstil: keine gesundheitsschädigenden Lärm- und Luftschadstoff-Emissionen und keine direkte schädliche Ressourcennutzung. Der Verkehrssektor ist für mehr als ein Viertel der Treibhausgas-Emissionen in Österreich verantwortlich, doch Radfahren verursacht keine direkten Treibhausgas-Emissionen (und vergleichsweise nur marginale indirekte durch Herstellung und Entsorgung) – und kann somit als besonders ressourcen- und klimaschonendes Fortbewegungsmittel bezeichnet werden. Das verwirrende, kleine Zahlenspiel zeigt: Werden die indirekten Emissionen für Herstellung und Entsorgung des Fahrrads berücksichtigt, kann beim Radfahren mit Emissionen fünf Gramm CO2je zurückgelegtem Kilometer gerechnet werden. Dem gegenüber stehen CO2-Emissionen von rund 220 Gramm je Kilometer bei fossil angetriebenen Pkw. Im Hinblick auf die mögliche Reduktion der Treibhausgas-Emissionen würde mehr aktive Mobilität der stetig steigenden Umweltverschmutzung entscheidend entgegenwirken!

Die Situation in Salzburg ist durchwegs positiv, hier wurde erkannt, dass die Zukunft des Verkehrs in den Städten zunehmend durch den Radverkehr geprägt werden muss und dementsprechende Maßnahmen getroffen: So soll der Radverkehrsanteil von 20 Prozent im Mai 2019 auf 24 Prozent bis zum Jahr 2025 erhöht werden. Denn aktive Mobilität braucht Platz und wo dieser gegeben ist, können auch mehr Menschen aktiv mobil sein. Zu dem bereits gut ausgebauten, breiten Radfahrweg an der Salzach soll mit Hilfe von drei Ringrouten und zwölf Radialrouten eben dieses Ziel erreicht werden – ein Maßnahmenprojekt, um Studierenden, Arbeitenden, Einkaufenden und den Sportbetreibenden den täglichen Alltag zu erleichtern. Anders gesagt: Durch infrastrukturelle Maßnahmen wie diese wird unter anderem das subjektive Sicherheitsgefühl auf der Straße sowie vor allem die Attraktivität aktiver Mobilität erhöht, die dadurch meist die schnellste Möglichkeit darstellt, von A nach B zu kommen. Denn eine funktionierende Infrastruktur ist die Voraussetzung für aktive Mobilität, dem gegenüber sich ein unvollständiges, lückenhaftes Radverkehrsnetz als die größte Barriere für den Umstieg vom Auto auf das Fahrrad darstellt. Durch diese geplante umfassende Infrastruktur-Erweiterung wird sichergestellt, dass alle Ziele innerhalb der Stadt Salzburg sicher und einfach per Fahrrad zu erreichen sein werden und somit wird langfristig ein Nutzen für jedermann geschafft.

Damit die aktive Mobilität als essentieller und selbstverständlicher Teil der Alltagsmobilität verankert wird, braucht es – neben der entsprechenden Infrastruktur – auch den gesellschaftlichen Bewusstseinswandel. Ohne Infrastruktur und ohne „Kulturwandel“ hin zu mehr aktiver Mobilität ist eine Mobilitätswende nicht möglich! Die Verantwortung und Anerkennung der Autofahrer zur Sicherheit von Radfahrenden muss in den Vordergrund, der Status Quo des Vorrangs für den Kfz-Verkehrs auf allen Ebenen in den Hintergrund rücken. Um diesen „Kulturwandel“ in Österreich zu erreichen, braucht es intensive Bewusstseinsbildung bei den Menschen und eine rasche und konsequente Umsetzung von Projekten, die diesen Wandel erlebbar und möglich machen. Durch dieses „neue“ oder „erneuerte“ Denken, der Abkehr von der Priorisierung des Kfz-Verkehrs, kann veränderte Normalität entstehen, die äußerst günstige Voraussetzungen für uns Menschen und unserer Umwelt mit sich bringt.

Vielen Dank an den VCÖ (Verkehrsclub Österreich), der mich bewegt hat, mich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Die im Artikel vorhandenen Informationen habe ich aus der Publikation des VCÖ „Mobilität mit Zukunft 2/2019“ bezogen.