Sachpolitisch kann es nur besser werden – ebenso bei der SPÖ

Christian Kern (SPÖ) – nach seinem plötzlichen und kommunikationstechnisch desaströsen Abgang als slim-fit-bekannter Bundeskanzler wird er nun zu einem ungewollten Großmeister der Blamage. Nachdem er der Aussage von Sebastian Kurz (ÖVP) widerspricht, dass auch bei der Übergabe des Kanzleramtes von Kern an Kurz Druckerfestplatten vernichtet wurden hat er prompt und unverblümt bei Verweigerung eines Widerrufs durch Sebastian Kurz mit „gerichtlicher Hilfe“ gedroht. Jedoch hat die „Krone“ aufgedeckt, dass unter Kern ebenfalls Festplatten „geschreddert“ wurden…

So wurden auch unter Ex-Pizzaboten Kern tüchtig Festplatten „geschreddert“. Und zwar sieben, nicht bloß fünf wie unter Kurz – und nicht um erschwinglich knappe 77 Euro, sondern um kostspielige 2100 Euro für den Steuerzahler. Dabei hätte Kern auf die Aussage seines Intimfeindes Kurz gar nicht reagieren müssen, vielmehr hat er sich freiwillig in das mediale Rampenlicht gestellt, hat von sich aus die mediale Aufmerksamkeit gesucht (von der Unglaubwürdigkeit der Person Kern ganz abgesehen) und stellt die SPÖ bezüglich dieses Themas unfreiwillig – jedoch aus eigenem Antrieb – auf eine Wellenlänge mit der Volkspartei. Kern bläst sich verzweifelt und vor allem künstlich – die Angst vor Sebastian Kurz steigt wohl mit jeder Woche vor dem Wahltag Ende September – mit dem Lenken des Verdachtes auf Sebastian Kurz in Bezug auf das „Ibiza-Videos“ gegen jenen auf, wirft ihm aufgrund seines gleichen Handelns ein unerlaubtes Vorgehen vor – und das alles, obgleich wenig wirklich verwertbare Substanz hinter der Geschichte steckt. Wenn zuerst mit ausgestrecktem Zeigefinger auf den politischen Mitbewerber gezeigt wird, sich dann herausstellt, dass es unter Kern dieses Prozedere ebenfalls gab, dann ist das schon etwas dreist – und zugleich ein „Bärendienst“ für die Sozialdemokraten!

Christian Kern en vogue
© S. Philipp

Somit hilft der nunmehrige emigrierte Kontrolleur der russischen Staatsbahn der Volkspartei aus dem Erklärungs-Notstand und für SPÖ-Parteichefin Rendi-Wagner wird es durch das wiederholt unvorteilhafte Einschreiten Kerns gezwungenermaßen womöglich noch beschwerlicher, ein anständiges Ergebnis bei der Nationalratswahl-Wahl am 29. September einzufahren. Frühes 1:0 – wenn nicht sogar der Sieg – für die neue Volkspartei im „Schredder-Schlamassel“!

Spätestens nach dem Non-profit-Schlagen nach dem „Ibiza-Skandal“ des einstigen Partei Obmanns HC Straches (FPÖ) und auch nach den schweren Vorwürfen gegen die ÖVP im „Schredder-Skandal“ sollte sich die SPÖ Gedanken um ihre Strategie und ihr Auftreten machen. Was der SPÖ fehlt, ist unter anderem die Geschlossenheit der Partei. Einzelinteressen von Genossen übertonen regelmäßig die Parteispitze. Die SPÖ sollte endlich damit anfangen, Einigkeit zu zeigen und die vorschnellen und kopflosen Einzelinteressen in den Background zu schieben. Denn exakt das macht die türkise Volkspartei unter dem 32-jährigen Nichtakademiker so gut: Alle stehen geschlossen hinter Sebastian Kurz und treten als Einheit auf. Wenn der aktuell schwachen Sozialdemokratie dies nicht gelingt, dann werden sich die Genossen um Platz drei mit den Grünen matchen – und sich quasi zielstrebig selbst in die Oppositionsbank fahren!

Festzuhalten bleibt bei der leidigen Thematik rund um die „Schredder-Affäre“ und dem anschließenden Auftreten der SPÖ und des selbstherrlichen CK (Christian Kern, Anm.), dass das gegenseitige Anpatzen dem Ansehen der österreichischen Politik erheblich schadet. Denn dem mündigen und mitdenkenden österreichischen Politik-Konsumenten, gleich welcher Gesinnung, bleibt ein wirrer und zerstrittener Zustand der Politik im Summer of twothousendandnineteen im Kopf. Es stellt ausnahmslos alle Parteien als unglaubwürdig dar und die ohnehin schon als „korrupt“ und als „sind eh alle gleich“ gesehenen und titulierten Politiker aka Volksvertreter haben es dadurch in Zukunft nicht leichter, sich als glaubwürdig und geradlinig zu verkaufen. Schlammschlachten waren noch nie ein geeignetes Instrument, einen Sieg zu erringen!

© Felix Haidenberger