Artikel 5 von Micky Beisenherz

Micky Beisenherz, so etwas wie der Pelé der deutschen Gagschreiber Riege, startet mit seiner neuen Sendung Artikel 5 den Versuch, auf den Latenight Show Hype der zerrütteten deutschen Medienlandschaft aufzuspringen. Doch ist die Gagdichte bei Artikel 5 genauso hoch wie Oliver Welkes Haaransatz? Artikel 5, Folge 3 vom 13.06.2019, eine wenig ernst gemeinte Sendungskritik im Liveticker Format. 

Minute 0:

Das Intro präsentiert Angie Merkel in Großaufnahme – ich spüre, wie wilde Erotik durch meine Synapsen flimmert und werde spitz wie Nachbars Lumpi beim Anblick dieser schönen, schönen Frau.

Ach übrigens, ein weiser Mann von Deutschlands liebstem Spatenblatt „Titanic“ schrieb einst, dass Micky Beisenherz stets so aussehe, als wurde ihm gerade der Schwanz gelutscht. Diese Behauptung lässt sich beim Anblick des Castingcouch Gedächtnis-Looks des Moderators validieren.

Minute 1:

Micky Beisenherz referiert über das Revival der Grünen und beginnt sein Gag Feuerwerk mit  einer Öko – Höhlenmenschen Analogie mit einen richtigen Knall. Gänsehaut im Gehirn! Irgendwo in Berlin Mitte kriecht ein Cem Özdemir aus seiner Höhle aus Jutebeuteln und zündet vor Freude über diese Publicity eine Biotonne an.

Minute 3:

Ach, der Glyphosatan Nestle, ein Unternehmen das in etwa so viel Sympathie versprüht wie Philipp Amthor immer, in jeder Lebenslage eigentlich. Yung Phips überlegt nach intensiver Medienrecherche meinerseits bereits, ein Antwort Video auf diesen edgy Vergleich zu drehen. Ich weiß es jedoch nicht, stand nur auf Bild Plus. 

Nun wird auch noch Robert Habeck in Slow Motion mit erotisierender Musik hinterlegt gezeigt. Die Sendung ist bereits so versext, dass sie auch im Late Night Programm von Sport 1 laufen könnte. Blickt man auf das Niveau der dargebotenen Gags, ist dies wohl auch die Intention dahinter. Beisenherz reüssiert: „Verzicht ist sexy.“ Du bist es auch, Micky!

Minute 6:

Nächstes Thema: Altersarmut. Ich dreh‘ am Rad! Die Zuschauerschaft im Studio wirkt aufgeheizt beim Anblick von tanzenden Omis mit Rollatoren, ich werde in den Zivi zurück gebeamed – und wäre dort gerade auch lieber. 

Minute 8: 

Eine Renteninformation in Übergröße wird von zwei studentischen Beach Bodies ins Studio transportiert, um jeden Moment von Don Micky verlesen zu werden. Heißes Eisen, ich bin wieder voll dabei! Nun liest er das Ding wirklich vor. „Fiktive Rentenhöhe“ – ich bin wieder raus, der Begriff zieht mich in etwa so runter wie Sarah Connors neues „Album“ „Herz Kraft Werke“. Lesen Sie sich den Titel nochmals durch, er wird nicht besser. 

Minute 10:

Angela Merkel referiert nun im Einspieler beim Deutschlandtag der Jungen Union über die Rentenproblematik. Blutleer, inhaltslos aber geil. Man kann gespannt sein, was da noch kommt. 

Ständig kommen Boys, denen die Shisha an den Leib gewachsen scheint und Girls, die mir auf den ersten Anschein nach in der Schule das Herz gebrochen hätten auf die Bühne, kleben immer niedrigere Euro-Beträge auf die übergroße Renteninformation und wollen damit den ganzen Renten Fuck Up visualisieren. Stark!

Minute 13:

Beisenherz verspricht ein „lustiges“ Katzenvideo für alljene, die beim aktuellen Sendungsthema dranbleiben. Nun möchte ich erst recht im Strahl kotzen. 

Minute 15:

„In Zukunft werden die Renten laut Gesetz grundsätzlich weniger stark steigen als die Löhne und so planmäßig an Wert verlieren.“ Mich holt die ganze Thematik zwar nicht ab, der große hässliche Bruder Deutschland verkackt hier aber mal so richtig, um diesen Klamaukbeitrag einmal mit einem Funken Ernsthaftigkeit zu garnieren. Ich möchte nun wirklich das versprochene Katzenvideo sehen, um mich zumindest darüber verwutbürgern zu können. 

Minute 18:

Nun wird auch noch Dennis aus Hürth, die Ed Hardy – NRW Verschmelzung von Switch Reloaded, von Micky höchstpersönlich imitiert. „Leider nein leider gar nich‘“ witzig.

Minute 20:

Ach, der Wendler (47) mit seiner neuen Freundin Laura (18!). Sie liebt den DJ, weil der mit ihr fürs Abi paukt. 

Minute 22:

Endlich packt Beisenherz über das Katzenvideo aus! Die Katze macht nichts, ist aber selten hässlich. Mein stumpfes Einzellergehirn sendet einen müden Lacher an die vom Tequila der gestrigen Nacht spröden Mundwinkel. Ha, was ein Beschiss diese Belohnung!

Minute 23:

Nächstes Thema: Die Deutschen sind Reiseweltmeister. Micky Beisenherz spielt gekonnt mit dem Meckertum – Stereotyp des Deutschen Mittelklassebürgers, wenn er seinen Arsch an die überfüllten Strände des Mittelmeers bewegt. Der Gag schießt in mein Hirn wie ein eiskalter Slushy im All Inclusive Hotel auf Mallorca. Ich verspüre Hirnfrost, wie beim untauglichen Versuch, eine Blume des Nachtlebens im City Beats zu verführen.

Minute 24:

Oh es geht also im Folgenden darum, wie die deutschen Nachbarn Weltwunder im Internet bewerten. Ich koche über vor Vorfreude! Rezension zum Kölner Dom: „Selten so schlechte Pommes gehabt. Allerdings top für Selfies.“ Stefan W, du ganz alleine bist die Nachgeburt von Harald Schmidt! Ich sage eine große Zukunft für diesen Mann im Unterhaltungsetablissement voraus.

Minute 26:

„Der Eifelturm sieht aus wie ein verrostetes altes Baugerüst.“ So in etwa könnte man das auch in einer Horst Seehofer Biografie abdrucken.

Minute 29:

Zum Petersdom in Rom: „Tolle Kirche, aber wenig kinderfreundlich.“ Das muss man nicht näher erläutern, der Gag funktioniert von alleine. Großes Latenight Kino!

Minute 30:

Micky Beisenherz verabschiedet sich nach 30 Minuten geballter Mittelmäßigkeit zurück in die Ödnis von Castrop-Rauxel. Die Themenauswahl scheint zwar interessant, die Aufbereitung von Artikel 5 gleicht jedoch eher einem Unterstufenreferat über Ringeltauben. Micky, dat war schon ma‘ besser!

© Patrick Lientschnig