Das Spiel der sozialen Heimatpartei

Die Ibiza-Affäre, #ibizagate, Skandal-Video. In den vergangenen zwei Wochen, genauer gesagt seit der Veröffentlichung des Strache-Gudenus-russische-Oligarchen-Nichte-Videos aus einer Finka auf der spanischen Insel Ibiza am 17. Mai 2019, bekommt der Zeitungs-, Fernseh-  und Onlinemedienkonsument kaum mehr andere Schlagwörter und die entsprechenden Berichte und Diskussionen dazu vorgesetzt. Zurecht – denn ist bezüglich der innenpolitischen Situation aktuell kein Stein auf dem anderen geblieben. Erstmals gibt es in Österreich nicht eine nach einem Wahlgang zusammengesetzte politische Bundesregierung, sondern eine beamtete Regierung, die von einer vom Bundespräsidenten ausgesuchten Bundeskanzlerin zusammengesetzt wurde. 

Heinz-Christian Strache und Johann (Joschi) Gudenus pflegten über Jahre hinweg ein familiäres Verhältnis, jedoch war Joschi dem ausgebildeten Zahntechniker stets untergeordnet. Untergeordnet deshalb, weil er selbst innerhalb der eigenen Partei als (zu) harter Brocken gilt bzw. galt. Fiel er in der Vergangenheit doch häufiger mit braunen Rülpsern auf – nicht „zufällig“ wurde er Ende 2017 als Minister vom Bundespräsident Alexander Van der Bellen abgelehnt.

Und Strache? Nachdem er 2005 zum Obmann der vermeintlich sozialen Heimatpartei FPÖ gewählt wurde, hamsterte er Wahlsiege verschiedenster Ausmaße ein. Mit dem quasi angeborenen und ausgeprägten Gespür dafür, was offensichtlich schiefläuft und wer die Schuld daran trägt, was das Volk will und warum die Eliten das Gegenteil anvisieren, gibt er – verpackt mit fremdenfeindlichen und angstschürenden Parolen – in Bierzelten stets sein proletarisches Geschwafel zum Besten. Die Techniken des extremen Populismus wusste er im Zuge der Flüchtlingskrise 2015 mit einer eiskalten Anti-Ausländer-Politik erschöpfend auszureizen und für sich zu nutzen. Mit diesen immer gleichen, aber heftiger werdenden Tönen, und den immer gnadenloseren Angriffen auf die politischen Konkurrenten stieg die Zahl der Unterstützer der Freiheitlichen Partei Österreichs stetig an. Ende 2017 bekamen der selbsternannte HC und seine Partei durch den Einzug in die Regierung die Chance, sich die kommenden fünf Jahre zu beweisen. Beweisen, dass es die soziale Heimatpartei besser kann als die „abgewählte rot-schwarze Garde“, die Strache die vergangeen Jahre mit Anfeindungen und Vorwürfen par excellence angegriffen hatte.

Die kommenden fünf Jahre? Der Beweis des besseren Könnens? Dem stehen sieben Stunden Video-Material (inklusive Gesinnungs-Striptease des HC), ein Lockvogel a la „scharfer“ russische Blondine, eine Flasche Vodka mit Red Bull und eine Line feinstes Mühlen-Mehls entgegen. Quasi eh nur eine „bsoffene Gschicht!“. Zwei Blaue, die – angeblich blau –  mit dem Ruinieren eines österreichischen Straßenbau-Unternehmens mit über 17.000 Mitarbeitern liebäugeln, die die erfrischende Idee das Wasser zu verkaufen haben und die sozusagen vierte Staatsgewalt – die freien und unabhängigen Medien – an sich reißen wollen.

Diese Videoaufnahmen aus Ibiza lassen niemanden kalt. Schaurig, zum Fremdschämen und Entsetzen. Vor allem aber vermitteln sie nicht das Gefühl, von diesen Politikern gut und „anständig“ vertreten zu sein. Wie dies mit den Slogans der vergangenen Jahre wie „Österreich zuerst!“, „Im Interesse des Volkes!“ oder „Österreich denkt um“ in Verbindung zu bringen ist? Gar nicht. Das Video-Material, vor allem die der Öffentlichkeit zugänglichen sieben Minuten, machen die Republik Österreich und sein Volk lächerlich und zeichnen ein befremdendes Bild. Die durch dieses Video aufgezeichneten Aussagen und Szenen spiegeln keinesfalls die angebliche und immer wieder zur Schau gestellte Einstellung der sozialen Heimatpartei Österreichs wieder – sondern deren Gegenteil!

Im Sinne der Plakatwelle zur Nationalratswahl 2017: Österreicher verdienen Fairness und keine mit russischen Oligarchen-Nichtinen liebäugelnde Politiker!

© Felix Haidenberger